Phänomen der Servitisierung: Service ohne Ende

Christoph Müller

von Christoph Müller am 07.02.2019

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In den 80er Jahren begann die Compact Disk (CD) die Schallplatte abzulösen. Für den Kunden hat sich dabei abgesehen der Technologie nichts verändert: Er erwirbt weiterhin physische Produkte aus dem Einzel- oder Versandhandel. Durch den Wechsel von der CD auf das MP3-Format hat sich augenscheinlich einiges für den Kunden verändert. Aufgrund des neuen Formats entstanden neue Vertriebsmöglichkeiten (iTunes, Amazon, usw.) und die Möglichkeit für den Kunden, die Musik direkt aus dem Internet zu beziehen. Andererseits handelt es sich immer noch um ein Produkt, an dem der Kunde Eigentum erwirbt: Er kauft einen Titel oder ein ganzes Album.

Musik wird zur Dienstleistung

Derzeit findet ein Paradigmenwechsel statt, bei dem die Musik vom Produkt zur Dienstleistung transformiert wird. Mit Musik-Streaming-Anbietern wie Spotify, Apple Music und Co. besitzt der Kunde nach Abschluss eines Abonnements Zugriff auf eine umfangreiche Musikbibliothek. Die folgende Abbildung stellt die beschriebene Entwicklung visuell dar. Dabei kann sich die Branche über eine stark wachsende Popularität und ein Umsatzwachstum von 40% erfreuen. Neben digitaler Musik ist dieser Trend auch bei anderen immateriellen Gütern zu beobachten. Filme, Serien, Software und Videospiele werden bereits heute über das beschriebene Geschäftsmodell angeboten. Etablierte Beispiele bildet die Office 365 Mitgliedschaft für die Nutzung von Microsoft Office oder der Dienst des amerikanischen Unternehmens Netflix für das Streamen von Filmen und Serien.

Entwicklung der Musikindustrie

Transformation in der materiellen Welt

Die Transformation vom Produkt zur Dienstleistung ist keineswegs nur immateriellen Gütern wie Musik und Filmen vorbehalten. In vielen Bereichen ist bereits ein deutlicher Trend zu verzeichnen. Innerhalb der Automobilbranche wird das Angebot von Car-Sharing immer häufiger wahrgenommen. Statt rechtlicher Eigentümer eines Kraftfahrzeugs zu werden oder langfristige Leasing-Verträge abzuschließen, lassen sich Fahrzeuge heute kurzfristig bei Bedarf einfach über das Smartphone anmieten. Diesen Transformationsprozess vom Produkt zur Dienstleistung wird als Servitisierung bezeichnet.

Digitalisierung als Treiber

In den meisten Fällen könnten Geschäftsmodelle wie das Car-Sharing-Angebot ohne entsprechende informationstechnische Infrastruktur nicht realisiert werden. Die Digitalisierung und moderne Technologien wie die Nahfeldkommunikation(Engl. Near Field Communication, NFC) gelten somit als entscheidender Treiber für diese Entwicklung. Statt detaillierte Branchenkenntnisse ist in der heutigen Welt vor allem der Zugang zum Kunden wichtig. Dieser ist stärker am Produktnutzen statt am eigentlichen Produkt selbst interessiert. Für ihn steht die Befriedigung und Erfüllung des Bedürfnisses im Vordergrund. Den kritischen Erfolgsfaktor bildet somit nicht die Kernkompetenz eines Unternehmens, sondern die Nähe zum Kunden und das Wissen über ihn.


Christoph Müller
Christoph Müller

Frontend Ninja

Veröffentlicht am 07.02.2019 um 23:00 Uhr