|6 Minuten Lesezeit|19. Juni 2026
Wer Google Ads schaltet, denkt zuerst an Gebote, Budgets und Zielgruppen. Der Quality Score wird dabei oft weniger priorisiert. Dabei entscheidet er maßgeblich darüber, was ein Klick am Ende kostet und wo die Anzeige erscheint. Viele Werbetreibende drehen monatelang an den falschen Schrauben. Hier erfährst du, was die Anzeigenqualität wirklich beeinflusst und wie du deinen Google Ads Qualitätsfaktor verbessern kannst.

Der Quality Score, oder auf Deutsch Qualitätsfaktor, ist ein Diagnosetool in Google Ads, das die Qualität deiner Anzeige im Vergleich zu anderen Werbetreibenden misst. Auf einer Skala von 1 bis 10 (je höher desto besser) bewertet Google auf Keyword-Ebene, wie relevant deine Anzeige für die Suchenden ist. Der Score basiert auf echten Impressionen der letzten 90 Tage, und zwar nur auf exakten Keyword-Übereinstimmungen. Gibt es nicht genug Daten, zeigt Google statt einer Zahl einen Strich.
Zwar wird der Qualitätsfaktor nicht in der Anzeigenauktion berücksichtigt, ist aber trotzdem relevant, um herauszufinden, wo Optimierungsbedarf besteht. Dabei ist die Zahl von 1 bis 10 eine vereinfachte Darstellung dessen, wie Google die Qualität deiner Anzeige einschätzt. In der echten Auktion bewertet Google diese Qualität viel präziser, nämlich kontextabhängig, pro Suchanfrage und in Echtzeit. Der sichtbare Quality Score spiegelt diese Signale wider, ist aber nicht exakt die Zahl, die in die Auktion einfließt. Dennoch gilt: Wer seinen Score verbessert, verbessert die Qualitätssignale dahinter. Und die haben wiederum Einfluss auf zwei entscheidende Kennzahlen.
Besonders interessant dabei ist: Laut einer Praxisanalyse, in der reale Google Ads Konten ausgewertet wurden, kosten Keywords mit einem Score von 1 bis 3 bis zu 400 % mehr als vergleichbare Keywords mit Quality Score 5. Ein Quality Score von 10 kann den CPC um bis zu 50 % senken. Als Baseline dient dabei der Quality Score 5, weil das der durchschnittliche Score der meisten Konten ist. Die Zahlen dabei stammen nicht von Google selbst, sondern aus der Auswertung echter Kontodaten. Google veröffentlicht keine offiziellen CPC-Richtwerte je Score-Stufe, weshalb solche Praxisanalysen die einzige Möglichkeit sind, den Zusammenhang zu quantifizieren.
Der sichtbare Qualitätsfaktor wird aus drei Hauptkomponenten in unterschiedlicher Gewichtung berechnet. Google vergleicht dabei deine Performance mit anderen Werbetreibenden, deren Anzeigen in den letzten 90 Tagen für dasselbe Keyword ausgespielt wurden. Jeder Komponente wird dabei als „überdurchschnittlich“, „durchschnittlich“ oder „unterdurchschnittlich“ bewertet. Die drei Komponenten sind die Expected CTR, die Landing Page Experience und die Ad Relevance.
| Komponente | Beschreibung | Gewichtung |
|---|---|---|
Expected CTR | Wie wahrscheinlich ist ein Klick auf deine Anzeige? | ~39 % |
Landing Page Experience | Wie relevant und nützlich ist deine Zielseite für den Nutzer | ~39 % |
Ad Relevance | Wie gut stimmt dein Anzeigentext mit dem gebuchten Keyword überein? | ~22 % |
Die Erwartete Klickrate ist eine mathematische Prognose von Google, die angibt, wie wahrscheinlich es ist, dass jemand auf deine Anzeige klickt, nachdem er ein bestimmtes Keyword eingegeben hat. Wie genau Google diesen Wert berechnet, ist nicht öffentlich. Aus der Praxis und Expertenanalysen lassen sich aber folgende Einflussfaktoren ableiten:
Nicht nur die Anzeige selbst wird bewertet, sondern auch das, was danach passiert. Für den Qualitätsfaktor analysiert Google, wie relevant und nützlich die Zielseite für den Nutzer ist, nachdem er geklickt hat. Zu den Einflussfaktoren der Nutzererfahrung auf der Landingpage gehören:
Wie relevant Google deine Anzeige für ein bestimmtes Keyword einschätzt, hängt von der linguistischen und semantischen Übereinstimmung zwischen dem gebuchten Keyword und dem Anzeigentext ab. Im Vergleich zu den anderen beiden Komponenten ist sie geringer gewichtet, aber gleichzeitig am einfachsten zu optimieren.


Direkter Vergleich des Quality Scores in Google Ads mit den drei Einflussfaktoren.
Wissen, wie der Qualitätsfaktor berechnet wird, ist der erste Schritt. Der zweite ist, gezielt an den richtigen Stellen anzusetzen. Da Google die genaue Berechnung nicht öffentlich macht, gibt es keine Garantie auf bestimmte Ergebnisse. Die folgenden fünf Hebel sind jedoch unsere Praxisempfehlungen aus der Erfahrung unserer täglichen SEA-Arbeit. Wir fokussieren uns hier auf die Faktoren mit der höchsten Gewichtung. Die weiteren Einflussfaktoren, die wir oben beschrieben haben, können je nach Konto ebenfalls wirkungsvoll sein. Es lohnt sich also, auch dort hinzuschauen.
Google merkt sich, wie oft Nutzer bei einem bestimmten Keyword auf deine Anzeige geklickt haben. Diese historische CTR ist eins der stärksten Signale für deinen Qualitätsfaktor. Eine dauerhaft niedrige Klickrate bei einem Keyword bleibt im System und zieht den Score nach unten.
Prüfe regelmäßig, welche Keywords unterdurchschnittliche CTR-Werte haben. Setze genau dort an und optimiere den Anzeigentext gezielt. Ein niedriger Quality Score allein ist kein Grund, ein Keyword zu pausieren. Wenn es trotzdem Conversions liefert, sollte man zunächst den Anzeigentext optimieren, bevor man es aus dem Konto nimmt. Teste am besten mehrere Varianten gegeneinander und pausiere dann die schwachen Anzeigen. Google gewichtet neuere Daten stärker und berücksichtigt nur die letzten 90 Tage. Neuere Daten verdrängen also mit der Zeit die schlechte Historie.
Google empfiehlt, die Botschaft von der Anzeige bis zur Landingpage konsistent zu halten. Wer auf eine Anzeige für "SEA Agentur Kassel" klickt, sollte auf einer Seite landen, die genau das liefert. Konkret heißt das: Das Keyword aus der Suchanfrage sollte in der H1 und im Text der Seite auftauchen, auf die die Anzeige läuft. Prüfe für deine Ads:
Ein häufiger Fehler ist, alle Anzeigen einer Kampagne auf die Startseite zu leiten. Die ist in den meisten Fällen zu generisch und greift das spezifische Keyword nicht auf. Unsere Erfahrung zeigt: Je spezifischer die Zielseite auf das Keyword zugeschnitten ist, desto besser. Das gilt auch für die Keywords selbst. Wer Keywords zu breit ansetzt, macht es sich schwerer, eine Seite zu finden oder zu bauen, die wirklich passt. Je konkreter das Keyword, desto einfacher ist es, auf der Landingpage das zu liefern, was die Anzeige verspricht.
Bei Responsive Search Ads hast du die Chance, bis zu 15 verschiedene Headlines und bis zu 4 Beschreibungen zu hinterlegen. Nutze sie. Google testet automatisch verschiedene Kombinationen und lernt, welche bei welcher Suchanfrage am besten performen. Damit sich deine Anzeigenrelevanz und damit auch dein Qualitätsfaktor verbessert, solltest du das exakte Keyword oder sehr enge Variationen in den ersten drei Überschriften verwenden. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es in der ausgespielten Kombination vorkommt. Das Keyword in den Beschreibungen einzubauen unterstützt zusätzlich, hat aber eine deutlich geringere Gewichtung als die Headlines.
Eine langsame Seite schadet nicht nur deinen Conversions, sondern auch deinem Quality Score. Google bewertet die Nutzererfahrung auf der Landingpage als eine der wichtigsten Komponenten. Was zu lange lädt oder auf dem Smartphone nicht funktioniert, signalisiert eine schlechte Erfahrung, unabhängig davon wie gut Anzeige und Keyword zusammenpassen.
Eine der wichtigsten Messgrößen dafür ist der Largest Contentful Paint (LCP). Er misst, wie lange es dauert bis das größte sichtbare Element einer Seite geladen ist, also zum Beispiel ein Bild oder eine Hauptüberschrift. Google empfiehlt einen LCP unter 2,5 Sekunden, besonders im mobilen Datennetz. Außerdem spielt Responsiveness eine wichtige Rolle: Verschobene Layouts, zu kleine Schriftgrößen und nicht klickbare Buttons auf dem Smartphone sind häufige Fehler, die still und leise den Score drücken. Messen kannst du das übrigens kostenlos mit Google PageSpeed Insights und den Core Web Vitals in der Search Console.
Assets werden oft als optionales Extra behandelt. Dabei erfüllen sie zwei Funktionen gleichzeitig. Sie vergrößern die sichtbare Fläche deiner Anzeige in den Suchergebnissen und liefern Google zusätzliche Relevanzsignale. Google bestätigt, dass Assets den Ad Rank direkt beeinflussen, weil sie die erwartete CTR erhöhen.
Zunächst einmal, gibt es keine Garantie. Google macht die genaue Berechnung des Qualitätsfaktors nicht öffentlich. Manchmal muss man mehrfach optimieren und testen, bis etwas wirklich greift. Hinzu kommt, dass nicht alles, was den Quality Score beeinflusst, in deiner Hand liegt.
Kontextfaktoren wie Standort des Nutzers, genutztes Gerät oder Tageszeit fließen zwar in die Echtzeit-Auktion ein, aber nicht in den sichtbaren Qualitätsfaktor. Google neutralisiert diese Einflüsse bewusst, damit der Score vergleichbar bleibt. Auch der Wettbewerb spielt eine Rolle. Wenn Mitbewerber ihre Anzeigen und Landingpages massiv verbessern, kann dein Score sinken, obwohl du selbst nichts verändert hast. Der Qualitätsfaktor ist immer ein relativer Wert im Vergleich zu anderen Werbetreibenden. Zudem hat Google bei Keywords mit wenig Impressionen schlicht nicht genug Daten für eine verlässliche Bewertung. In solchen Fällen zeigt Google einen Strich statt einer Zahl. Kein schlechtes Zeichen, sondern fehlende Datenbasis.
Energie in diese Faktoren zu stecken lohnt sich nicht. Konzentriere dich auf das, was du beeinflussen kannst. Und letztlich gilt: Solange deine Anzeigen Conversions bringen, erfüllen sie ihren Zweck.
Der Qualitätsfaktor ist nicht standardmäßig im Google Ads Konto sichtbar. Du musst ihn als Spalte manuell einblenden. Geh auf "Kampagnen", dann auf "Zielgruppen, Keywords und Inhalte" und wechsle zum Tab "Keywords". Dort kannst du über den Spalten-Button den Qualitätsfaktor und seine Komponenten einblenden. Wir empfehlen, auch die historischen Verlaufsdaten zu aktivieren, um zu sehen wie sich Optimierungen über Zeit auswirken. Prüfe den Score regelmäßig, besonders nach Optimierungen an Anzeigentexten oder der Landingpage. Und vergiss dabei nicht das Wichtigste: die Conversions. Der Qualitätsfaktor ist ein Indikator, keine Erfolgsgröße.
Wenn du mit einer SEA Agentur zusammenarbeitest, musst du dich darum in der Regel nicht selbst kümmern. Das Monitoring inklusive Qualitätsfaktor gehört dort zum laufenden Prozess. Denn eines bleibt am Ende immer wahr: Qualität zahlt sich aus.

Über den Autor
Weitere Artikel zu diesem Thema


Samiya Suleiman
Dynamische Google Ads Anzeigen sind eine relativ neue Erscheinung in der Online-Werbelandschaft. Erfahre mehr über die Vorteile von dynamischen Suchanzeigen, wann du sie nicht nutzen solltest und wie du mit Personalisierung die Conversion-Rate steigern kannst.
27. Februar 2024|3 Minuten Lesezeit


Samiya Suleiman
Landing Pages sind das Herzstück jeder erfolgreichen SEA Kampagne. Erfahre, was Landing Pages sind und entdecke die entscheidende Rolle von Google Ads Landing Pages. So werden deine Anzeigen ein echter Erfolg.
16. Januar 2024|6 Minuten Lesezeit


Jule Rösner
SEO und SEA unterscheiden sich in einigen Punkten, haben aber beide das gleiche Ziel: Die Sichtbarkeit deines Unternehmens in den Suchergebnissen zu verbessern. Entdecke die für dich beste Strategie und erfahre, wann du dich für SEO oder SEA entscheiden solltest.
8. Januar 2024|5 Minuten Lesezeit

Tim Selzer
Lass uns durchstarten!
Lass uns die Einzelheiten deines Projekts doch einfach persönlich besprechen. Du kannst uns dazu entweder anrufen oder eine unverbindliche Kontaktanfrage stellen.
